DER HINTERGRUND
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Anlass für die Hans-Böckler-Stiftung, den Arbeitskreis zu gründen, war insbesondere die sich verschärfende Debatte über den Umbau der Sozialsysteme sowie über sozialpolitische Aspekte der Europäischen Integration. Jahrzehnte lang galt der deutsche Sozialstaat vielen Ländern als Modell eines leistungsstarken sozialen Sicherungssystems, das auf einem verlässlichen sozialen Konsens basiert. Doch seit den achtziger Jahren gerät dieses Modell immer stärker unter Druck.

Besonders herausgefordert sehen sich die Akteure/
-innen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, Tarifparteien und Sozialverbänden, Städten und Gemeinden von der Entwicklung des europäischen Sozialmodells. Die im Jahr 2000 von den europäischen Staats- und Regierungschefs verabschiedete Lissabon-Strategie zur nachhaltigen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Entwicklung der Europäischen Union formuliert Benchmarks auch für den deutschen Sozialstaat.

Der Prozess der Globalisierung beschränkt die nationalstaatlichen Gestaltungsspielräume. Überdies gefährden die hohe Arbeitslosigkeit, der strukturelle Wandel im Erwerbsleben sowie die veränderten privaten Lebensformen den erreichten Stand an sozialer Sicherheit und die finanzielle Stabiltität der bestehenden Sozialsysteme. Die Politik reagierte darauf mit Arbeitsmarktreformen (beispielsweise „Hartz I“ bis „Hartz IV“). Auch durch neue konzeptionelle Ansätze (etwa „Rente mit 67“) versucht sie, die Systeme der sozialen Sicherung zukunftsfähig zu gestalten.

Diese grundlegenden Veränderungen stellen nicht nur den in Deutschland viel beschworenen sozialen Konsens in Frage, auf den sich der deutsche Sozialstaat noch immer beruft. Sie verlangen geradezu nach Reformentwürfen für eine nachhaltige und sozial gerechte, innovative und finanzierbare, nationale und europäische Sozialpolitik.